»Das ist nunmal der freie Markt«. Konzeptionen des Marktes beim Wirtschaftsumbau in Ostdeutschland nach 1989

1. Prolog: Eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus?Für die langjährige Ökonomie-Professorin, kurzzeitige DDR-Wirtschaftsministerin und spätere PDS-Bundestagsabgeordnete Christa Luft war die Sache klar: Marktwirtschaft und Kapitalismus gehörten nicht zwingend zusammen, ganz im Gegenteil. In ihrem bereits 1991 veröffentlichten, später mehrfach nachgedruckten und als »Reminiszenzen einer Zeitzeugin« veröffentlichten Buch »Zwischen WEnde und Ende« ging Luft zunächst harsch mit der langjährigen »Propaganda« des SED-Regimes ins Gericht. Dieses habe »Marktwirtschaft mit Kapitalismus als historisch überlebter weiterlesen...

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Im Frühjahr 1991, als die gesellschaftlichen Proteste gegen den Wirtschaftsumbau im »Beitrittsgebiet« einen ersten Höhepunkt erlebten, setzte die ostdeutsche Karikaturistin Barbara Henniger vor allem die Rechtfertigungsstrategien von Bundesregierung und Treuhandanstalt spöttisch ins Bild: Der dramatische Zusammenbruch der ostdeutschen Industrielandschaft, hier mit der Staatsfluglinie Interflug und dem Kameraproduzenten Pentacon als gewaltiger Urknall inszeniert, wird von zwei (West-)Managern beobachtet, die sich mit ihrem offenbar unerschütterlichen Glauben an die explosiv-zerstörerisch wirkenden Marktkräfte zu beruhigen wissen. Die Karikatur erschien u.a. im »Spiegel« vom 25. März 1991. (© Barbara Henniger)
Dieser Beitrag wurde am 16.11.2015 auf dem Portal Zeithistorische Forschungen des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam veröffentlicht.
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